
Paul Burrows ist Principal Software Solutions Manager für Leica Geosystems. Doch die meisten kennen ihn einfach als den „Reality Capture Guy“ von Social Media, YouTube und seinem Podcast. Seine Leidenschaft für und sein Wissensschatz über Realitätserfassungsprodukte, vom Feldeinsatz über das Zusammenfügen von Scans und darüber hinaus, suchen ihresgleichen. Und er ist mit seiner Zeit und diesem Wissen durchaus freigebig, wie die vielen Freunde und Kollegen in der Laserscan-Community bezeugen, die er mit seinen LinkedIn-Beiträgen unterstützt.
Zum Release des neuen Leica BLK360 beschlossen wir, diese Freigebigkeit zu nutzen und uns von Paul Burrows seine Eindrücke zu dem Gerät vom Prototyp bis zum marktfähigen Produkt schildern zu lassen. Außerdem wollten wir mit ihm über einige der Vorteile sprechen, die dieser Scanner der nächsten Generation gegenüber dem Vorgänger bietet – und wo Paul Burrows ihn eingesetzt hat.
Sie sind seit 15 Jahren bei Leica Geosystems. Soweit ich weiß, waren Sie von Anfang an beim neuen BLK360 dabei. Wie war das?
Ich gehörte zum Urteam um den BLK360 der ersten Generation. Ich erinnere mich, wie ich in die Schweiz kam und sofort in einem Auto entführt und zu Burkhard gebracht wurde, unserem CTO. In diesen streng geheimen Raum durften vielleicht zehn bis zwölf von uns hinein, und dann brachten sie den ursprünglichen BLK360 heraus – der war einfach unglaublich! Und dann schaust du auf dieses verblüffende Produkt, das nun seit fünf Jahren auf dem Markt ist, und denkst: „Wie kannst du den noch kleiner machen? Miniaturisieren? Wie kannst du ihn verbessern? Geht das überhaupt?“
Von da an (und in jüngerer Zeit) hatte ich immer mal wieder mit sehr frühen Prototyp-Modellen dieses neuen Scanners zu tun. Wir alle wussten, er wird wirklich klein, und uns war klar, er wird uns umhauen. Glücklicherweise hatte ich das finale Gerät schon weit vor dem Release auf HxGN Live, um es bei einigen kniffligen Aufgaben auf Herz und Nieren zu testen.
Sprechen wir über den neuen BLK360. Nachdem Sie reichlich Erfahrung mit dem Vorgänger sammeln konnten, was zeichnet das neue Gerät aus?
Der BLK360 der neuen Generation ist einfach winzig, wie der Abdruck einer Coladose in deiner Hand oder ein kleines Bier [lacht] – im Profil war er kleiner als mein iPhone! Also das war das Erste, was mir sofort ins Auge gesprungen ist, wie groß er ist – bzw. wie klein. Dann beginnst du zu verstehen, wie schnell er arbeitet. Das ursprüngliche Gerät war ja schon flink, aber kein Vergleich zu dem, was jetzt möglich ist.
Der neue BLK360 ist ja offensichtlich eine Weiterentwicklung, eine Verbesserung oder Erweiterung des Originals, fühlt sich gleichzeitig aber wie eine brandneue Produktlinie mit neuen Kameras und VIS-Technologie [Visual Inertial System] an. Da wurde ein sehr erfolgreiches Produkt einmal komplett überarbeitet und aufgefrischt!
Was würden Sie als das herausragende Merkmal bezeichnen?
Wahrscheinlich die neue VIS-Technologie, die wir vom Leica RTC360 und BLK2GO übernommen haben. Mit VIS kannst du dich von Position zu Position bewegen und siehst dein Tracking zwischen diesen Positionen in der BLK Live-App. Ob du auf die Taste am Gerät oder den „Start“-Button in der App selbst drückst, es ist absolut unkompliziert, deine Daten zu verwalten und die Vorregistrierung deiner Scans zu sehen.
Ein zweiter wichtiger Vorteil ist, dass du deine Daten bei Bedarf im Feld exportieren kannst. Wenn du Cyclone FIELD 360 auf einem Smartphone oder Tablet nutzt, werden alle Daten von dem Gerät synchronisiert – und zwar im Handumdrehen. Änderungen schreiben wir dann auch wieder auf das Gerät zurück. So haben die Benutzer die Wahl, wo sie auf ihre Daten zugreifen möchten. Wenn du deine Registrierung in Cyclone REGISTER 360 und Cyclone FIELD 360 erstellen möchtest – bitteschön! Du kannst aber auch ein E57 [ein häufiges anbieterneutrales Punktwolken-Dateiformat] dieses registrierten Bündels direkt aus Cyclone FIELD 360 exportieren oder die E57-Rohdaten aus der BLK Live-App ohne Registrierungsdaten herunterladen und in Lösungen anderer Anbieter verwenden. Und das ist Teil der weiteren Entwicklung – den Benutzern viel mehr Kontrolle geben und alles möglichst gleich im Feld, am Erfassungsort machen. Künftig wollen wir auch noch die Möglichkeit einrichten, Daten an unsere HxDR-Cloudplattform zu senden.
Für mich ist der neue BLK360 wirklich das offenste Produkt in unserer langen, langen Unternehmensgeschichte, was die Entscheidungsfreiheit, wie du mit deinen erfassten Daten arbeiten möchtest, angeht.
Gab es auch kleine Änderungen, die Sie gut fanden?
Eine andere große Sache (also eigentlich keine so kleine Änderung) ist, dass wir den USB-C-Port jetzt direkt – und unübersehbar! – an der Seite haben. Vorher war es mit dem drahtlosen Verbinden und Herunterladen der Daten etwas knifflig. Jetzt schließt du das Gerät an und lädst die Daten herunter. Stecker rein und aus dem BLK Data Manager abrufen. Oder importiere die Daten einfach direkt in REGISTER 360, wenn du willst.
Zur Leistung des neuen BLK360 im Feld: Was machen Sie jetzt anders, was Sie vorher so nicht getan haben?
Als Erstes ist mir aufgefallen, dass ich jetzt mit der Zeitverzögerung arbeiten muss, weil das Gerät so schnell ist. Ich muss es um zehn Sekunden verzögern, mindestens, damit ich weit genug fortkomme [lacht]. Das ist natürlich kein Problem, wenn du das Gerät über eine unserer Apps fernauslöst.
Der zweite Unterschied ist die reine Geschwindigkeit. Ich habe mein Dorf in der vollen Mittagssonne und bei hohen Temperaturen (zumindest für britische Verhältnisse) gescannt, was mir mit eingeschaltetem VIS wirklich zügig gelang. Ich konnte den Vorgang in der App verfolgen und sehen, wie die Daten in Echtzeit einlangten. Und ich war unglaublich schnell fertig – 28 Setups in einer halben Stunde – einschließlich der Positionswechsel des Scanners.
Und wenn man sich die Daten anschaut, die sind für ein Gerät dieser Größe echt gut. Ja, sie haben nicht die Qualität eines RTC360 oder der P-Serie, aber das sollen sie auch nicht. Die Abweichung liegt bei plus/minus 4 Millimetern auf 10 Meter. Um das zu prüfen, bin ich u. a. zu meinen RTC360- und BLK2GO-Daten von demselben Bereich zurückgegangen, die kann man alle in Cyclone REGISTER 360 zusammenbringen und sehen, dass sie nahezu perfekt ausgerichtet sind. Wir nutzen also einen 20.000-Euro-Scanner und dann Geräte, die 45.000 bzw. 50.000 Euro kosten, und die Daten passen in der Ebenheit alle ziemlich punktgenau. Dabei habe ich keine Fluchtstangen oder Bezugspunkte benutzt. Natürlich liefert der RTC360 Daten mit größeren Reichweiten, jedoch erfasst der BLK2GO denselben Bereich in kürzerer Zeit – jedes Gerät hat eben seine Stärken.
Ich weiß, intern sprechen wir viel davon, dass der neue BLK360 nicht einfach nur eine Version 2.0, sondern ein Versuch ist, genauso revolutionär wie seinerzeit der BLK360 G1 zu sein. Was finden Sie, hat dieser Scanner diesbezüglich zu bieten?
Das habe ich auch schon gehört, und ich finde, das passt ganz gut für den neuen BLK360: er ist eine „Zeitraffer“-Technologie. Ob nun die Daten schneller erfasst, schneller verarbeitet oder ob schneller Ergebnisse geliefert werden – wir wollen die Benutzer einfach so schnell wie möglich zum richtigen Endresultat bringen.
Das Schöne daran ist, wenn ich jetzt an einige meiner wirklich peinlichen Videos zurückdenke, als ich 2006 damals noch mit der Leica HDS 3000 Scans vor einem Pub gemacht habe – ich war superbeeindruckt von diesen beiden niedrig aufgelösten Scans, die ich zusammengefügt habe, was mich wohl rund eine Stunde gekostet hat. Jetzt schaue ich sie mir an und ich weiß, die gleiche Erfassung kann ich mit dem neuen BLK360 in vielleicht drei oder vier Setups machen – lass es fünf Minuten Arbeit sein –, und das alles wird automatisch verbunden und könnte direkt vor Ort per Handy in die Cloud hochgeladen werden.
Ich denke, für jemanden, der nicht bei der ganzen Reise dabei war, ist es sehr schwer einzuschätzen, wie weit wir gekommen sind. Aber glauben Sie mir, das sind wir … und schnell zudem!
Einige Gedanken zum Abschluss.
Was mir übrigens auch gefällt, ist, dass sich dieser Scanner nicht nur für den Bausektor eignet. Wir erschließen ganz neue Anwendungsbereiche, sei es VR, AR, die Filmbranche oder Visual Effects. Lange Zeit gab es Leute, die eigens für diese Märkte LIDAR erfassten. Und jetzt geben wir es den technischen und kreativen Leitern selbst in die Hand – statt nur einer Gruppe von Spezialisten.
Ich finde, je mehr man sich dem kreativen Prozess nähert, um sich mit diesem Prozess vertraut zu machen, desto stärker wird die Nachfrage und steigt die Beliebtheit.
Ich kann es wirklich kaum erwarten zu sehen, was diese kreativen Köpfe mit Hilfe unserer Technologie erschaffen werden – das finde ich echt spannend.
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