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Corrimony Chambered Cairn

Scannen von schottischen Steinhügeln (Cairns) und Burgen: Elias Logan und der BLK360, Folge 2

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11/20/2019

Das ist der zweite Beitrag von mehreren, der über den Architekten Elias Logan und seine Laserscanning-Tour durch Europa berichtet. Den ersten Beitrag können Sie hier lesen.


Nachdem ich Ihnen das Projekt kürzlich vorgestellt hatte, ist nun die Zeit gekommen, Sie darüber zu informieren, wie es im Ausland so läuft! Obwohl ich mich jetzt schon etwas weiter im Süden von Frankreich befinde (und mein Auto sich wieder auf der rechten Fahrbahn lenken lässt), erzähle ich vorab nicht nur über meine ersten vier Wochen der mobilen Forschung auf den schottischden Inseln sondern auch davon, wie diese im Hoch- und Flachland Schottlands war. Die in den ersten Tagen gewonnenen Erkenntnisse waren für das Verständnis und die Durchführung der Forschung grundlegend.  

Ein Zusammenspiel des BLK360 mit Glättekellen und Drohnen an der archäologischen Grabungsstätte "Ness of Brodgar" 

Ness of BrodgarMich im neolithischen Dorf bei der Grabungsstätte Ness of Brodgar aufzuhalten, bot mir die Möglichkeit, von Jim Bright, dem dort ansässigen Urheber der 3D-Ausgrabungsmodelle, und von Scott Pike, dem Guru für Luft- und Digitalaufnahmen, zu lernen. Deren Wissen über die Methoden der Realitätserfassung (Photogrammetrie bzw. Drohnenfotografie), war - trotz deren Unterschiede zum Laserscan-Workflow des BLK360 - dennoch grundlegend für die Etablierung von Best Practices für gründliche Scans und deren Bearbeitung am Computer. Zusammen mit dem Standortleiter Nick Card könnte ich sagen, dass sie ein wenig neidisch auf einen Anfänger wie mich waren, der mit dem tragbaren und leistungsstarken BLK360 herumläuft!  

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich mir in diesen zwei Wochen meinen Lebensunterhalt verdient hatte, indem ich so viele anstrengende Stunden mit Kelle und Spitzhacke damit verbrachte, durch Erdschichten zu graben wie mit dem BLK360. Meine Partnerin Emily Kruse und ich wurden beauftragt, eine Ecke des „Trench T“ auszugraben, in der Hoffnung, einen vermeintlichen Orthostat (stehenden Stein) parallel zu einem anderen bereits freigelegten zu enthüllen, der auf einen Zugang zum monumentalen Bauwerk im Graben hinweisen könnte. Leider entging uns der erwartete Aufrechte, aber der Prozess ergab einige aufschlussreiche Edelsteine bei der Diskussion über die Beziehung zwischen dem Architekten und dem Archäologen.  

Laserscanning hilft, den nebligen Bereich zwischen Archäologie und Architektur zu beseitigen. 

Die Bemerkung von Cristina Santisteban, die die Arbeiten bei der Ausgrabung des Kopfteils vom „Trench T“ leitete, dass es „bei Architektur um Bauen, bei Archäologie jedoch um Zerstören geht“, fällt als relativ klare Unterscheidung auf, die umso überzeugender ist, wenn man die Autorität betrachtet, mit der sie die Oberfläche von Midden Pits hinuntergezogen hat, die wir nur gewagt hatten, behutsam anzukratzen. Ihre Beobachtung gewann im weiteren Gespräch an Nuancen und Breite; die Zerstörung durch einen Archäologen ist natürlich ebenso systematisch und absichtlich wie der Planungs- und Bauprozess eines Architekten.  

Tatsächlich üben die beiden die gleiche Strenge aus, mit dem Ziel, sich das Unbekannte vorzustellen, jedoch in entgegengesetzte Richtungen der Zeit; die Archäologie schöpft Szenarien der Bewohnung einer vergangenen Struktur, während die Architektur die ideale Konfiguration einer in der Zukunft zu errichtenden Struktur bestimmt.  

Während es also viele disziplinäre Unterschiede zwischen Architektur und Archäologie gibt, treffen sich die beiden im nebligen Zwischenbereich der Interpretation. Ich würde sagen, dass die Tools zur Beseitigung dieses metaphorischen Nebels (ich habe von einem schottischen Gastgeber gelernt, dass es viele wörtliche Arten vom Nebel gibt) durch Repräsentation, Schreiben, Zeichnen und - wie unser Freund der BLK bezeugt - durch 3D-Scannen entstehen!     

In dieser Hinsicht waren die Mitarbeiter in Ness großzügig, so dass ich detaillierte Scans von zwei vollständig ausgehobenen Strukturen (je ca. 12 Setups) sowie einen groben Gesamtgrabenscan (25 Setups) erstellen konnte. Außerhalb der Öffnungszeiten der Ausgrabung gelang es mir auch, Scans von mehreren anderen neolithischen und bronzezeitlichen Strukturen in den Stätten auf Orkney zu machen. Damit ich entscheiden könnte, welche der vielen möglichen Strukturen auf den Inseln ich scannen möchte, habe ich eine Reihe von Kriterien aufgestellt: 

„4-C“ Scan-Kriterien von Elias Logan

  1. Die Zusammensetzung: Die Stätte muss in erster Linie aus Steinen gebaut sein.  

  1. Der Zerfall: Die Stätte muss sich in einem Zustand der Ruinen oder Unvollständigkeit befinden.               

  1. Der Bausatz: Die Stätte darf keine Darstellungen haben, die dem Bau vorausgehen (z.B. Bauzeichnungen). 

  1. Das Bewusstsein: Im Anschluss an den Bausatz muss die Stätte einer Revolution in der Methode und dem Wert der architektonischen Repräsentation vorausgehen, die in der Renaissance stattfand (etwa vor dem 14. und 15. Jahrhundert, je nachdem, wo man sich in Europa befindet). 

Cuween Hill Chambered CairnAuf dem schottischen Festland angekommen, habe ich diese Kriterien (und meine Reise-/Zeitbeschränkungen) auf die endlose Liste der passenden Strukturen angewendet, was zu zusätzlichen fünf Teil- und Vollstrukturscans führte. Ein Höhepunkt war ein seltener, relativ intakter, Clava-ähnlicher Cairn aus der Bronzezeit (ca. 2.000 v. Chr.). Während es einen Teil seiner typologischen Bezeichnung mit erdgedeckten Strukturen aus der Jungsteinzeit wie Cuween Hill Chambered Cairn (ein früherer Scan-Standort auf Orkney) teilt, unterscheidet sich der spätere Corrimony Chambered Cairn in Plan und Zusammensetzung; eine einzige zentrale, mit Kragsteinen versehene Kammer ist von einem beträchtlichen Hügel umgeben, der aus vom Wasser geschliffenen Steinen besteht, die etwa so groß wie Softballs sind. Während es in der Gegend um Loch Ness noch einige andere Beispiele gibt, ist Corrimony das am besten erhaltene Exemplar eines Steinhaufens, bei dem vielleicht nur der Deckstein fehlt. 

Das Scannen der Struktur stellte mehrere Herausforderungen dar. Erstens bedeutet die 360-Grad-Aufnahme eines BLK360, dass die Erfassung der Außenseite von runden Objekten etwas kompliziert ist. Um einen Innenraum zu erfassen, braucht man nur einen 360-Grad-Scan; kreisförmige Formen benötigten Scans aus viel mehr Winkeln und Positionen, um die gesamte Struktur zu registrieren.  

In diesem Fall benutzte ich einen Ring aus 11 stehenden Steinen, die um die Struktur herum platziert waren, als Führung, indem ich zwischen jedem Stein ein Setup vornahm. Der daraus resultierende kompilierte Scan bedeutete, dass sich der Steinhaufen in einer realen Umgebung aus umliegenden Feldern und Wäldern befand; so detailliert wie die Tausenden von Steinen, die den Steinhaufen bedecken (ein Beweis für die hochentwickelte Auflösung des BLK). 

Wenn Corrimonys relativ geschlossene Form einen zufriedenstellend vollständigen Scan ermöglichte, hebt meine erste Castle-Scanning-Erfahrung hervor, was sich als interessantes Ergebnis der Forschung erweist: Ergänzen dort, wo der BLK360 aufhört.  

Schloss KilchurnAufgrund seiner beeindruckenden Größe, der geschützten Lage am See und meiner eigenen Zeitbeschränkung wurde Kilchurn Castle nur teilweise erobert. Wichtig ist jedoch, dass der umgestürzte Turm des Gebäudes vollständig dokumentiert ist. Umgeworfen und in Einzelteilen innerhalb des Haupthofs der Burg liegend, ermöglicht die Bottom-Up-Position ein leichtes Verständnis der eigenen Kragsteinstruktur. In einer umgekehrten Iteration des früheren Cuween Hill und Corrimony Chambered Cairns, wo Kragsteine verwendet wurden, um eine abgestufte, nach innen gerichtete Deckenstruktur aus kleineren Steinen und nicht aus einem einzigen tafelförmigen Gestein zu schaffen, macht das Verfahren hier das Gegenteil; es tritt nach außen, um einen freitragenden Raum zu schaffen, von dem aus man die Landschaft beobachten kann.   

Es wird sicherlich noch weitere Momente der disziplinären Nebelbeseitigung und formalen Vorahnung geben, wenn ich an die folgenden sechs Wochen in England im nächsten Beitrag denke. Bleiben Sie dran (und achten Sie auf stürzende Geschütztürme)! 

 

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